Überblick über die Geschichte der Burg, des Klosters und des Schlosses Goseck

 

 

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Im Hersfelder Zehntverzeichnis wird Goseck als “Gozacha civitas” bzw. "Gozzesburg" erstmals genannt. Die genaue Lage dieser Burg ist derzeit noch unbekannt.  

Anfang 11. Jahrhundert
Seit dem frühen 11. Jahrhundert ist in Goseck eine sächsische Adelsfamilie nachweisbar, die das Amt der Pfalzgrafen von Sachsen inne hatte. Graf Friedrich I. starb um 1040. Er hatte auf der Burg eine Simeonskapelle als Grablege seines Geschlechtes erbauen lassen.

24. März 1041
Die Söhne Adalbert (1000-1072), Dedo und Friedrich gründeten 1041 in der Burg ein Benediktinerkloster. Die Burg wird in der Folge abgerissen, um die Klostergebäude zu errichten. Der Sitz der Familie verlagert sich damit auf die Weißenburg im heutigen Zscheiplitz bei Freyburg/Unstrut, nur wenige Kilometer von Goseck entfernt. 1043 durch Kaiser Heinrich III. zum Erzbischof von Hamburg und Bremen berufen, nahm Adalbert am 29. September 1053 vermutlich die feierliche Weihe der Klosterkirche vor. Die Quellenlage dazu ist jedoch nicht eindeutig. Adalbert stieg zu einer der führenden Persönlichkeiten des Reiches zur Zeit Heinrichs IV. (ab 1056 König, ab 1084 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches) auf. Unter Abt Sindrammus werden um 1060 Wohngebäude für die Mönche errichtet.

5.November 1046
Weihe der Krypta durch Adalbert, was urkundlich belegt ist.

1056
Friedrich II. von Goseck (†1088), jüngerer Sohn Friedrichs I. folgt seinem ermordeten Bruder Dedo als Pfalzgraf von Sachsen. 1066 gerät er mit Heinrich IV. in Streit und wird 1075 vom König nach Pavia verbannt. Von dort schickt er auf Eseln verpackt wertvolle Handschriften für die Klosterbibliothek und kehrt erst 1078 zurück.

1115/1125
Der nordwestliche Kirchturm stürzt ein. Ob er danach wieder aufgebaut worden ist, wird nicht berichtet, dr Vorfall zieht jedoch große bauliche Veränderungen um 1200 nach sich. Die inneren Verhältnisse des Klosters sollen jedoch beständig schlecht gewesen sein. Bereits 1183 setzt der Verkauf von Klostergütern ein. 1540 endet die Klosterzeit auf der Burg mit der Säkularisation. Abt Jakob erkennt das weltliche Regiment an und erhält eine lebenslange Versorgung zugestanden.

16./17. Jahrhundert
Das Klostergut wird an sächsische Beamte als Mannlehen verkauft oder verlehnt, zunächst am 21. Januar 1545 an Georg von Altensee, 1566 an dessen Bruder Lamprecht von Altensee, um 1589 an David Peifer, 1602 an Franz von Königsmark. Dessen Ehefrau Katharina heiratet nach seinem Tod den kurfürstlichen Kanzler Bernhard von Pöllnitz. Von 1539 bis 1615 soll das Kloster „fast öde und wüste gestanden haben“. Pöllnitz läßt Langhaus und nördliches Seitenschiff der Kirche abgetragen, das südliche Seitenschiff in den Schlossneubau teilweise einfügen. Chor und Vierung werden zur Schlosskirche umgewandelt. Die Krypta wird in zwei Geschosse geteilt, das untere mit einem Gewölbe überdeckt. Beide Räume dienen fortan wirtschaftlichen Zwecken.1620 erfolgt die Weihe. Der Umbau der einstigen Klausur südlich der Kirche endete um 1635 mit dem Aufzimmern sämtlicher Dachstühle. Die Familie von Pöllnitz bleibt bis 1721 im Besitz der Anlage.

5./6. Oktober 1791
Novalis, Pseudonym für Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg (1772-1801), bedeutender Schriftsteller der Frühromantik, Philosoph und Bauingenieur, besucht das Schloss Goseck. Überliefert sind Briefe und das Prosabruchstück “Spaziergang nach Goseck” aus dieser Zeit.

1840
Die Grafen von Zech-Burkersroda übernehmen das Gut und besitzen es bis 1945. Etwa 1840 wird der Ginkgobaum auf dem Schlosshof gepflanzt. 1846 werden der östliche und Teile des südlichen Schlossflügels abgebrochen. 1872 wird in die Schlosskapelle eine Ladegastorgel eingebaut und die Schlosskirche bis 1880 umfassend renoviert. 

Nach 1945
Das Schloss wird als Kornspeicher, Wohnung für Umsiedler, Jugendherberge, Grundschule und kurzfristig als Bildungszentrum für Baudenkmalpflege genutzt. Die Anlage wird kaum instandgehalten, die Kirche bleibt ohne Nutzung.

1997
Die “Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt” wird Eigentümerin. Es beginnen umfangreiche Sanierungsarbeiten. Im Herbst 1998 gründet sich der Schloss Goseck e.V. zum Erhalt des leerstehenden Schlosses und baut das “Europäische Musik- und Kulturzentrum Schloss Goseck” auf, welches heute hier seinen Sitz hat und sich als Veranstaltungsort auch überregional einen Namen erarbeiten konnte.

Seit 2005
Systematische Ausgrabungen des Instituts für Kunstgeschichte und Archäologien Europas an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und des Aufbaustudiengangs Denkmalpflege in Kooperation mit der Hochschule Anhalt (Fh) in Dessau fördern Teile des Kirchengrundrisses und der Klausur zu Tage.

2007
Im Juli wird das Gewölbe aus dem frühen 17. Jahrhundert aus der Krypta entfernt und damit der ursprüngliche Zustand von 1046 wiederhergestellt.

2008
Die restauratorische Sicherung der Krypta wird abgeschlossen.

2011 - 2014
Im Herbst 2011 begannen die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten in der Schlosskirche. Diese konnten im Juli 2013 abgeschlossen werden, so dass die Schlosskirche zu Goseck den Besuchern seit August 2014 innerhalb regelmäßiger Öffnungszeiten wieder zugänglich ist.

2015

Im April wurde der erste Teil der zukünftigen Dauerausstellung präsentiert. Mithilfe moderner Medien wird dem Museumsbesucher in Film, digitaler Darstellung und Hörstationen die fünfhundertjährige Geschichte des Benediktiner-Klosters zu Goseck nachvollziehbar vergegenwärtigt.

 

 

© Reinhard Schmitt/Halle